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Die 2 für's Dach

Chronik unseres Familienbetriebes

15.07.1871Der aus Schotten im Vogelsberg stammende Dachdecker und Schuhmacher Jakob Faatz meldet in Michelstadt ein Dachdeckergeschäft an. Die Betriebsstätte befindet sich in der Oberen Pfarrgasse neben dem heutigen Ev. Gemeindehaus. Im Oktober 1873 meldet er das Dachdeckergeschäft ab, um fortan als Schuhmacher zu arbeiten.

07.08.1882 Jakob Faatz meldet das Dachdecker- und Schindlergeschäft wieder an, das seitdem ununterbrochen fortbesteht. Sein Sohn Friedrich Gustav soll das Dachdeckergeschäft übernehmen, doch dieser verunglückt 1892 tödlich beim Absturz während Dacharbeiten am Kirchturm in Speyer. Johann Georg, der zweite von drei Söhnen, hat den Spenglerberuf erlernt; er ist nun gehalten, auch den Beruf des Dachdeckers zu erlernen.

08.06.1896 Johann Georg Faatz übernimmt im Alter von 21 Jahren den elterlichen Dachdeckerbetrieb.

Im Jahr 1910 verlegt er den Betriebssitz aus der Kernstadt in die Waldstraße 47, die damalige Vorstadt. Der Lagerplatz ist am heutigen nördlichen Stadteingang gelegen, etwa dort, wo sich heute der Hulster Brunnen befindet. Ziegel, Schiefer, Bitumenpappe werden mit der Bahn über eine Gleisanlage angeliefert. Um die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zu verkürzen, errichtet er im Jahr 1900 ein Wohnhaus mit Lagerhalle in der Frankfurter Straße 25, wo auch heute noch der Betriebssitz ist.

Als im 1. Weltkrieg alle Gesellen und Lehrlinge zur Wehrmacht eingezogen werden, betreibt er das Dachdeckergeschäft mit familiärer Unterstützung alleine weiter. Inflation und Wirtschaftskrise bringen auch ihn in Schwierigkeiten, hinzu kommt ein Gichtleiden. Er begegnet diesen Umständen und nutzt den technischen Fortschritt.

Ab dem Jahr 1934 betreibt er neben dem Dachdeckergeschäft eine Tankstelle unter Mithilfe seiner Ehefrau, den beiden Töchtern und dem Schwiegersohn. Johann Georg Faatz hat keinen Nachfolger aus der Familie.

So kommt er 1936 mit einem Gesellen überein, dass dieser das Dachdeckergeschäft in naher Zukunft weiterführen solle. 1939, die Eindeckung des Kirchturms der ev. Stadtkirche war gerade fertig gestellt, beginnt der 2. Weltkrieg. Johann Georg Faatz ist 64 Jahre alt, wieder werden alle Mitarbeiter zur Wehrmacht eingezogen, wieder führt er das Dachdeckergeschäft mit familiärer Unterstützung weiter. Fast alle Mitarbeiter kehren aus dem Krieg zurück, nicht aber der designierte Nachfolger, und so betreibt er das Geschäft im Alter von 70 Jahren weiter.

Die Geschehnisse des Krieges aber bestimmen auf einem anderen Weg seine Nachfolge: 1941 kommt Hans Roelle mit seinem damals 4-jährigen Bruder mit der Kinderlandverschickung aus deren Geburtsstadt Bremen nach Michelstadt. Während seiner Schreinerlehre lernt er Erika Fischer kennen, die Enkelin von Johann Georg Faatz.

Am 8.3.1950 tritt Hans Roelle in die Firma Faatz ein und beginnt eine zweite Lehre zum Dachdecker, die er im Frühjahr 1952 abschließt.

01.10.1952 Hans Roelle wird mit 23 Jahren Mitinhaber des Dachdeckergeschäfts, 3 Wochen vor der Eheschließung mit Erika Fischer. Johann Georg Faatz ist 77 Jahre alt, 56 Jahre hatte er den Betrieb alleine geführt.

1960, 2 Jahre nach dessen Tod, erfolgt die Umbenennung in `Hans Roelle Bedachungen`. Wilfried erlernt bei seinem älteren Bruder Hans den Dachdeckerberuf und übernimmt nach seiner Meisterprüfung im Jahr 1964 den zweiten ortsansässigen Dachdeckerbetrieb, dessen Inhaber Anton Frey ebenfalls keinen Nachfolger aus der Familie hat. Unter der Betriebsführung von Hans Roelle erfolgt die rasante technische Entwicklung des Dachdeckergeschäfts mit gleichzeitiger Beibehaltung traditioneller Handwerkstechniken wie der Schiefer- und Holzschindeldeckungen. Stoß- und Handkarren werden durch motorgetriebene Lkw bis hin zum Drei-Seiten-Kipper, der Seilaufzug durch Schrägaufzüge und Autokran ersetzt. Hans Roelle beginnt Anfang der 60-er Jahre eine eigene Schlechtwetter-Regelung und begegnet der sonst üblichen Entlassung der Mitarbeiter über die Wintermonate mit ganzjähriger Beschäftigung. Zunächst verlegt er mit seinen Mitarbeitern Estriche im Innenausbau, danach meldet er einen Brennstoffhandel an. Er mietet einen zusätzlichen Lagerplatz am Südbahnhof, Kohle und Brikett werden mit der Bahn angeliefert - die Firma hat wieder Gleisanschluss. Die Dachdecker fahren in den Wintermonaten Kohlen und später auch Heizöl aus. Unter den vielen Dacheindeckungen denkmal-geschützter Gebäude wie Burg Breuberg, Einhardbasilika u.v.a. während seiner Führung des Betriebes, ist die Neueindeckung des Michelstädter Rathauses im Frühjahr 1979 besonders hervorzuheben, bei der auch die beiden Söhne mitarbeiten. Nach seiner Lehrzeit bei der Firma Karl Held in Reinheim beginnt Hans-Georg am 17.07.1978 im elterlichen Betrieb, Heinz tritt nach seiner Ausbildung bei der Firma Paul Rau in Wiesbaden am 1.10.1979 in den Betrieb ein. Anfang der 80-er Jahre besuchen beide die Bundesfachschule des Dachdeckerhandwerks in Mayen und legen dort ihre Meisterprüfung ab (Hans-Georg 1982, Heinz 1983). Die vielfache Umstellung der Heizanlagen auf Gasversorgung führt zum Verkauf des Brennstoffhandels, die Söhne erweitern das Leistungsangebot des Dachdeckergeschäftes u.a. bei Kunststoffabdichtungen und mit Einführung der Bauspenglerei (1984).

Mit der Anschaffung des ersten Computers 1985 erfolgt der erste Schritt zur EDV.

01.01.1988 Die Söhne von Hans und Erika Roelle übernehmen die Leitung des Betriebes als Geschäftsführer des in `Heinz und Hans-Georg Roelle GmbH` umbenannten Dachdeckergeschäfts. Sie treiben die Modernisierung des Unternehmens voran: die alten Holzgerüste werden durch ein modernes Aluminium-Systemgerüst ersetzt, ein neuer Auto-Mobilkran mit Funksteuerung wird ebenso angeschafft wie eine mehrplatzfähige EDV-Anlage, mit der die zum 1.8.1987 eingestellte Bürokauffrau Angelika Arras große Arbeitsbereiche der immer mehr zunehmenden, vielfältigen Büroarbeit übernimmt. Heinz Roelle legt 1991 die Meisterprüfung im Klempnerhandwerk ab und erweitert das Leistungsangebot in der Bauspenglerei mit verfalzten Dacheindeckungen und Wand-/Kaminbekleidungen aus Aluminium, Kupfer und Zink. Im gleichen Jahr führen sie im Bereich der Abdichtungstechnik den weichmacherfreien Kunststoff FPO (flexible Polyolefine) ein, für dessen Verlegung ein Schweißautomat mit digitaler Steuerung eingesetzt wird.

`Die 2 für`s Dach`, wie sie sich mittlerweile nennen, legen ein besonderes Augenwerk auf die Berufsausbildung. 10 junge Menschen haben ihre Ausbildung in dem Handwerksbetrieb schon erfolgreich abgeschlossen, in der Regel werden 1 - 2 Ausbildungen gleichzeitig durchgeführt. Die traditionellen Handwerkstechniken bei Biberschwanz- und Naturschiefereindeckungen sowie Holzschindelverkleidungen werden beibehalten; ein Höhepunkt im Bereich der denkmalgeschützten Gebäude ist die Neueindeckung des Erbacher Schlosses Mitte der 90-er Jahre. In jüngster Zeit führt vornehmlich das Thema `Energie` zur Erweiterung des Leistungsangebotes. Zur Energieeinsparung werden bewährte Dämmungen optimiert sowie neue Dämmsysteme eingebaut, der Energiegewinnung dienen Photovoltaik-Anlagen, die auf Steildächern und bei Flachdachabdichtungen als Auf-Dach-Anlage oder dachintegriert installiert werden.